Geschichte des Volleyball-Internat Frankurt

25 Jahre Volleyball-Internat Frankurt

Die Gründung als „Volleyball-Internat Hoechst“ in 1983

Junioren-Europameisterschaft 1982 in der Bundesrepublik mit Endspiel in München: Die Mannschaft des Deutschen Volleyball-Verbandes (West) (folgend: DVV) wird Vize-Europameister! Ein unerwartet toller sportlicher Erfolg! Aber etliche Spieler klagen sehr über die enorme Doppel-Belastung im Frühjahr mit dem Abitur und den vorbereitenden Turnieren. Manches Abitur hätte ohne das Hochleistungstraining und die vielen Fehltage wegen der Teilnahme an Turnieren sicherlich deutlich besser ausgesehen. Dies veranlasste den Vorstand des DVV, an seiner Spitze den Präsidenten Roland Mader, und die Deutsche Volleyball-Jugend (DVJ) mit ihrem Jugendsportwart Günther Ludwig, intensiv über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken. Schnell war der Gedanke geboren, ein Junioren-Internat - ähnlich dem sehr erfolgreichen der Franzosen in Montpellier - einzurichten mit den klaren Zielsetzungen: Erreichung sportlicher Höchstleistung unter Konzentration der talentierten jugendlichen Kadermitglieder in einem Stützpunkt, ohne dass die schulischen Leistungen oder die berufliche Ausbildung darunter leiden.

Aber die Verwirklichung war nicht einfach, zumal zu dieser Zeit die öffentliche Förderung durch den Bund und die Länder bei einigen Sportinternaten aus unterschiedlichen Gründen deutlich zurückgefahren wurde. Zur Ausarbeitung eines Konzepts, das nicht nur das Bundesinnenministerium wegen der generellen Sportförderung des DVV, vielmehr auch die Deutsche Sporthilfe und andere Institutionen, wie den damaligen Bundesausschuss Leistungssport (BAL), überzeugen musste, wurden zunächst von Günther Ludwig und Björn Christian Stein (damals Vizepräsident im DVV und Vorsitzender des Hessischen Volleyball-Verbandes) verschiedene Sportinternate (so z.B. die Christopherus Schule in Berchtesgaden und das Skigymnasium in Stams (Österreich) besucht. Die dabei gewonnenen Erfahrungen und Einblicke in die verschiedenen Konzepte und Organisationsstrukturen wurden sodann in ein erstes Konzept eingearbeitet, das auf die Belange einer sportlich kontinuierlichen Entwicklung jugendlicher Volleyballer über einen Zeitraum von drei Jahren und dem Höhepunkt der Junioren-Europameisterschaft des Jahrgangs zeitgleich mit dem Abschluss der gymnasialen Oberstufe bzw. dem Abschluss einer Lehre angepasst war. Die in einem Stützpunkt konzentrierten Spieler sollten im ersten Jahr ihrer sportlichen Ausbildung vor allem „Freundschaftsspiele“ auf der höchsten Ebene eines regionalen Volleyball-Verbandes absolvieren, im zweiten Jahr mit Sonderstatus in einer Regionalliga und im dritten Jahr in einer der beiden 2. Bundesligen des DVV mitspielen. Um die finanzielle Belastung der Eltern so gering wie möglich zu halten, mussten Sponsoren vor allem für die hohen Kosten von Unterbringung und Verpflegung gefunden werden, zumal die öffentliche Hand nach ersten Gesprächen sehr früh signalisiert hatte, das Konzept zwar gut zu heißen, aber für eine finanzielle Förderung nicht zur Verfügung zu stehen. Das war vorrangig eine Aufgabe für den Präsidenten Roland Mader.

Der Zufall wollte es, dass das damalige Vorstandsmitglied und zugleich Arbeitsdirektor der Firma Hoechst AG in Frankfurt Höchst, Herr Erhard Bouillon, begeistert von Volleyball war, dass die Hoechst AG Lehrlinge suchte und in ihrem Lehrlingswohnheim in Liederbach freie Plätze hatte. Herr Mader konnte Herrn Bouillon davon überzeugen, dass dies eine ideale Grundlage für die Etablierung eines Junioren-Volleyball-Internates war: die Jugendlichen konnten im Lehrlingswohnheim in Liederbach wohnen, von dort aus in Hofheim in die Schule gehen bzw. bei der Hoechst AG eine Lehre beginnen, nachmittags und abends trainieren und an Wochenenden Spiele absolvieren. Neben den Trainern konnte sie der Pädagogische Leiter des Lehrlingswohnheims mitbetreuen. Das Frühstück konnte im Lehrlingswohnheim eingenommen werden, Mittag- und Abendessen in der Kantine der Hoechst AG in der Jahrhunderthalle in Höchst.

Im Frühjahr 1983 erklärte sich die Hoechst AG dazu bereit, die Kosten für die Unterbringung von bis zu 40 Volleyballern (also von zwei Doppel-Jahrgängen) in ihrem Lehrlingswohnheim in Liederbach wie auch für die Verpflegung, dies auch dann, wenn z.B. bei Auswärtsspielen nicht in der Werkskantine gegessen werden konnte, zunächst bis 1986 zu übernehmen.

Nach diesem entscheidenden Schritt konnten im April 1983 der BAL, die Deutsche Sporthilfe zur persönlichen finanziellen Unterstützung der Spieler, das Bundesinnenministerium, die Stadt Frankfurt, der Hessische Volleyball-Verband, der Landesausschuss Leistungssport in Hessen (LAL) und vor allem auch das Hessische Sozialministerium sowie das Hessische Kultusministerium von dem Gesamtkonzept überzeugt werden. Letzteres sagte die Unterstützung in Form von „Mentoren“ an den beiden zwischenzeitlich ausgewählten Schulen in Hofheim zu, und der Schulträger, der Main-Taunus-Kreis, sagte ebenfalls seine Mithilfe und die kostenfreie Zurverfügungstellung von Trainings- und Spielzeiten in der Kreissporthalle in Hofheim, zu. Auch die Gemeinde Liederbach konnte eingebunden werden und stellte für Training und Heimspiele die Liederbachhalle kostenlos zur Verfügung.

Jetzt konnten und mussten jugendliche Talente und deren Eltern davon überzeugt werden, zum erst möglichen Termin, dem Beginn des Schuljahres 1983/84 Anfang September 1983, das Projekt „Volleyball-Internat Hoechst - VIH“ zu beginnen. Dies war Hauptaufgabe des Sportbereichs, also von Günther Ludwig und dem damaligen Sportwart des DVV, Wolfgang Goeke, sowie der Trainer. Sehr hilfreich war hierbei, dass der langjährige Männer-Bundestrainer Michael Gregory vor Ort wohnte und bei der Hoechst AG beschäftigt war. Dieser konnte den Beginn der sportlichen Arbeit hervorragend vorbereiten. So wurden u.a. mit Hilfe von Sponsoren im Lehrlingswohnheim ein kleiner Kraftraum eingerichtet und die ersten Hallenbelegungen für das Training vorgenommen.

Und - entgegen der Meinung vieler Skeptiker, auch in den Reihen des DVV und seiner Landesverbände - es gelang! Der erste Jahrgang des VIH mit 15 Spielern der Geburtsjahrgänge 1967/68 aus dem gesamten Gebiet der Bundesrepublik bezog im August 1983 die frisch renovierten Zimmer im Lehrlingswohnheim der Hoechst AG in Liederbach!

Zwischenzeitlich wurde neben dem hauptverantwortlichen DVV-Junioren-Bundestrainer, Dai Hee Park, als Trainer „vor Ort“ Herr Wlotek Mackiewicz hauptberuflich angestellt. Ihm zur Seite stand Günter Hamel, damaliger Lehrwart des Hessischen Volleyball-Verbandes, Inhaber einer A-Trainer-Lizenz und zuvor Trainer in Hanau und bei Eintracht Frankfurt. Zwei Kleinbusse standen ebenso zur Verfügung wie eine komplette Sportausrüstung von addidas. Mit Heinz Markwat konnte ein umtriebiger, erfahrener Mannschaftsbetreuer gefunden werden. Dieser wiederum stellte beispielsweise über seine Verbindungen vor Ort als Angestellter der Gemeinde Liederbach die täglich notwendige Versorgung mit Mineralwasser etc. durch die Getränkeindustrie Main-Taunus GmbH&Co KG für etliche Jahre sicher. Für eine gute ärztliche Betreuung war ebenso gesorgt wie für die notwendigen physiotherapeutischen Behandlungen. Es konnte also losgehen im ersten Internat einer Ballsportart in Westdeutschland!

Sehr schnell war den Verantwortlichen klar, dass dieses Vorhaben nicht im Rahmen des DVV betreut werden konnte, vielmehr die Gründung eines eigenständigen Fördervereins notwendig war. Dies vorzubereiten war eine der Hauptaufgaben von Björn Christian Stein. Wesentliche Eckpunkte für die Satzung waren die Bildung eines Vorstands, eines Kuratoriums mit beratender Funktion sowie als oberstem Organ die Mitgliederersammlung. Im Vorstand hatten der DVV, die DVJ und die Hoechst AG mit dem Leiter der Aus- und Fortbildung des Hoechst AG-Konzerns, Herrn Ulrich Gruber, feste Sitze; von den Eltern der Internatler war ein Elternvertreter in den Vortand zu wählen und vier weitere Vorstandsmitglieder wählte die Mitgliederversammlung. Im Kuratorium waren neben dem DVV und der Hoechst AG die anderen Sponsoren und Förderer vertreten, mit herausgehobener Stellung jedoch das Hessische Kultusministerium, das den Vorsitz mit dem Vorstandsvorsitzenden des Fördervereins wechselte. Nach intensiven Abstimmungsgesprächen mit allen Beteiligten fand am 8. November 1983 in den Gästeräumen der Hoechst AG in der Jahrhunderthalle die Gründungsversammlung des Fördervereins statt. Die vorbereitete Satzung wurde einstimmig beschlossen und der erste Vorstand wurde gewählt. Gründungsmitglieder des „Förderverein Volleyball-Internat Frankfurt e.V.“ waren neben der Hoechst AG und dem DVV der Main-Taunus-Kreis, die Gemeinde Liederbach, der Hessische Volleyball-Verband (HVV) sowie die Eltern Hoffmann, Bock, Wendt, Einspinner, Krank und Friedrichsen. Dem ersten Vorstand gehörten als Vorsitzender Herr Mader sowie die Herren Stein, Gruber, Walter Langenberger (HVV), Ernst Hellmold (Hoechst AG) für die Öffentlichkeitsarbeit, Ludwig (DVJ) sowie als von den Eltern gewählter Vertreter Herr Oskar Hoffmann an. Erste Rechnungsprüfer waren Herr Dr. Rösinger (OSC Höchst) sowie Frau Friedrichsen. Damit war der Förderverein errichtet.

Nach Vorliegen der Gemeinnützigkeitsbescheinigung des zuständigen Finanzamtes konnten im Winter 1983 noch weitere Förderer und Sponsoren gewonnen werden, wie der Hessische Sparkassen- und Giroverband (seit 1992 Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen, unverändert ein wichtiger Förderer des Internats), sowie die Kreissparkasse des Main-Taunus-Kreises.

Natürlich gab es vielfältige „Anlaufschwierigkeiten“ bei diesem insgesamt einmaligen Projekt. Um schnelle Lösungen herbeizuführen, trafen sich die Hauptverantwortlichen, das waren die Herren Gruber, Ludwig, Stein und Park, regelmäßig einmal monatlich. Ohne das enorme persönliche Engagement von Herrn Gruber, der sich für die Lehrlinge bei Hoechst ebenso einsetzte wie für eine gute pädagogische Betreuung aller Internatler im Lehrlingswohnheim oder für eine sportlergerechte Ernährung in der Jahrhunderthalle, der auch aus seiner Sicht die sportliche Entwicklung ebenso kommentierte wie das schulische Fortkommen, wären manche Probleme kaum oder nicht so schnell lösbar gewesen. Er hatte immer einen guten Rat und konnte über die Hoechst AG sehr, sehr viel bewegen. Unvergessen natürlich auch die Weihnachtsessen im „VIP-Bereich“ der Jahrhunderthalle, wo die Internatler „gut gedresst“ nicht nur ein hervorragendes mehrgängiges Abendessen serviert bekamen und einige Reden über sich ergehen lassen mussten, sondern auch kleine Geschenke erhielten und ihrerseits an Verantwortliche austeilten. Der Höhepunkt aber war jedes Mal der kunstvoll gefertigte Nachtisch, so z.B. eine Torte als Volleyballfeld mit Marzipannetz und zwölf Spielern drauf…

Der 1. Jahrgang

Der 1. Jahrgang spielte im ersten Jahr Freundschaftsspiele gegen ausgewählte Mannschaften der Verbandsliga des HVV. In der zweiten Saison 1984/85 spielte das Internat mit dem Sonderstatus in der Regionalliga Südwest mit, dass alle Spiele wie üblich zählten, das Internat aber weder auf- noch absteigen konnte. Anschließend konnte das VIH in der dritten Saison 1985/86 als zusätzliche Mannschaft mit ebenfalls diesem Sondermodus in der 2. Bundesliga Süd mitspielen. Bereits zu Beginn dieser Saison war zum Schuljahresbeginn im August 1985 wie geplant ein zweiter Jahrgang (Geburtsjahrgänge 1969/70) in das Internat mit 15 Spielern eingezogen. Dies war möglich, weil die Hoechst AG ihr Engagement angesichts des bisherigen positiven Verlaufs des Projektes vorzeitig verlängert hatte. Nunmehr waren also insgesamt 30 Internatler zu betreuen, was an alle Beteiligten zusätzliche Anforderungen stellte. Bewundernswert das persönliche Engagement eines Jeden!

In dieser Zeit gab es für den ersten Jahrgang ein besonderes „Schmankerl“: die bundesdeutsche Frauen-Nationalmannschaft hatte sich für die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles qualifiziert. Da lag es nahe, die Internatler, dies unter kräftiger finanzieller Mithilfe ihrer Eltern, an diesem Großereignis teilnehmen zu lassen. Sie sollten vor allem die Atmosphäre eines solchen Turniers erleben, die Taktik der teilnehmenden Mannschaften verfolgen und zusätzliche Motivation für die eigenen bevorstehenden schwierigen Bewährungsproben erlangen. Natürlich waren die Jungs diejenigen im Olympischen Turnier, die unsere Frauen am heftigsten angefeuert haben! Vor allem aber haben sie die Spiele des Männerturniers verfolgt und die Taktik der teilnehmenden Mannschaften analysiert. Ein zusätzlicher besonderer Höhepunkt des Aufenthalts in L.A. war sicherlich der Empfang durch den besonderen Sponsor des DVV in L.A., der Firma AUDI, die die Frauen-Nationalmannschaft und die Internatler zu einem Abendessen in eine Villa mit Swimmingpool in Beverly Hills eingeladen hatte. Einmalig der wunderschöne Blick über Los Angeles in der Abendstimmung – und dann für alle Beteiligten unvergesslich der Überraschungsgast des Abends: die damalige Weltklasse-Ralleyfahrerin Michele Mouton!

Sportlicher Höhepunkt für den ersten Jahrgang war zunächst der sehr gute dritte Platz bei den Junioren-Europameisterschaften in Bulgarien im Sommer 1986. Schon vor diesem Ereignis hatten sich die Verantwortlichen des VIH zusammen mit dem DVV überlegt, dass es einen Weg geben sollte, diesen Jahrgang über die Europameisterschaft hinaus zur Vorbereitung auf die Qualifikation und sodann Teilnahme an der Junioren-Weltmeisterschaft in 1987 zusammen zu halten, denn fast alle Spieler hatten im Sommer 1986 ihr Abitur gut bestanden bzw. ihre Lehre positiv abgeschlossen. Der Zufall wollte es, dass Passau im Sommer 1986 seine Lizenz für die 2. Bundesliga Süd zurückgeben wollte. Schnell konnten die Verantwortlichen des OSC Höchst davon überzeugt werden, diese Lizenz zu erwerben, da auch die Internatler, die mit der Schule oder der Ausbildung fertig waren, dazu bereit waren, noch ein Jahr gemeinsam „dranzuhängen“. So startete dann der 1. VIH-Jahrgang mit Beginn der Spielrunde 1986/87 unter der Flagge des OSC Höchst in der 2. Bundesliga Süd.

Allerdings gab es gleich im ersten Spiel gegen Etzbach eine böse Überraschung: Dieser Verein erzwang einen Spielabbruch! Hintergrund hierfür war die Tatsache, dass die Gremien des DVV den von den Verantwortlichen im VIH ausgearbeiteten und zuvor bereits mit den Vereinen der 2. BL Süd intensiv kommunizierten Vorschlag: wenn die Mannschaft einen Aufstiegsplatz zur 1. Bundesliga erreicht, muss sie gleichwohl in die Relegation und der nächstplazierte Verein darf ebenfalls an der Relegation teilnehmen, aus Zeitgründen noch nicht verabschiedet hatten. Auf einem solchen Modus aber beharrten die Zweitligavereine, weil sie - völlig zu Recht - dieser Mannschaft den ersten oder zweiten Platz am Ende der Spielrunde zutrauten. In der vom DVV und dem Förderverein VIH initiierten Zusammenfassung der besten Juniorenspieler Deutschlands im OSC Höchst sahen diese Vereine zugleich eine „Wettbewerbs-Verzerrung“ im Spielbetrieb der 2. Bundesliga.

Die Gremien des DVV beschlossen kurz darauf diesen Kompromiss, die Gemüter beruhigten sich sehr schnell und die Mannschaft des OSC Höchst belegte am Saisonende den zweiten Platz in der 2. Bundesliga Süd. In der Relegation wurde der OSC Höchst allerdings nur Zweiter und damit wurde der Aufstieg in die 1. Bundesliga leider knapp verpasst. Parallel hierzu aber hatte sich die Junioren-Nationalmannschaft mit 10 Spielern des VIH und drei „Externen“ für die Junioren-Weltmeisterschaft in Bahrain im August 1987 qualifiziert. Dort wurde sensationell der 4. Platz erreicht, ein großartiger sportlicher Erfolg! Sicherlich wäre dies ohne die Erfahrung aus zwei Jahren Wettkampfpraxis mit einer eingespielten Mannschaft in der 2. Bundesliga nicht geglückt! Zugleich gelang der Beweis für das Internats-Konzept, denn alle Internatler hatten mit recht guten Noten ihr Abitur bzw. ihre Ausbildung beendet. Beim Einstieg in das Studium wurde dies zusätzlich mit einem Bonus im Noten-Durchschnitt honoriert.

Leider konnten die folgenden Jahrgänge an diese sportlichen Erfolge des 1. Jahrgangs aus unterschiedlichen Gründen nicht ganz anknüpfen. Zu Einzelheiten wird auf die Übersicht zu den sportlichen Erfolgen der einzelnen Jahrgänge verwiesen. Hervorzuheben ist allerdings, dass aus allen diesen weiteren Jahrgängen nicht nur sehr gut ausgebildete Spieler für die 1. und 2. Bundesliga hervorgingen, sondern auch immer wieder hervorragende Nationalspieler. Besonders ist sicherlich Axel Hager hervorzuheben, der Gewinner der Bronzemedaille im Beach-Volleyball bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney! Ein Grund für die nicht mehr ganz so herausragenden Erfolge der weiteren Jahrgänge mag gewesen sein, dass das Projekt mit dem OSC Höchst nach der erfolgreichen Saison 1986/87 nicht weitergeführt werden konnte: der OSC Höchst sah sich dazu finanziell und organisatorisch nicht in der Lage. Zudem scheiterten sehr weit vorangeschrittene und Erfolg versprechende Gespräche mit dem Verein Eintracht Frankfurt letztlich an den Forderungen der Vereinsführung gegenüber dem auch insoweit vorgesehenen Hauptsponsor, der Firma Hoechst AG. Damit war es leider nicht gelungen, die ausscheidenden Spieler des VIH unmittelbar in einen traditionellen Verein im Rhein-Main-Gebiet mit einer Lizenz für die 1. oder 2. Bundesliga dauerhaft zu integrieren. Dieser Teil des Gesamtkonzepts musste daraufhin fallen gelassen werden und wurde seitdem auch nicht wieder aufgegriffen.

Folgen der Deutschen Einheit für das VIH

Alle Älteren erinnern sich lebhaft an den gewaltfreien Fall der innerdeutschen Mauer im November 1989 und an die in 1990 folgende Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Dies sollte weitreichende Konsequenzen für das VIH haben: Mit der Vereinigung auch der beiden Deutschen Volleyball-Verbände gab es schlagartig alle Kader in „doppelter Ausfertigung“, viel zu viele Trainer, Spielbeobachter etc., aber auch aus der Sicht des VIH zusätzlich ein vergleichbares Internat mit der Jugendsportschule im ehemaligen Ost-Berlin. Erschwert wurde die Situation dadurch, dass die Firma Hoechst AG mit Blick auf die neuen Bundesländer aber auch angesichts der Entwicklungen im ehemaligen Ostblock massiv die Lehrlingszahlen aufstockte und damit die dem VIH im Lehrlingswohnheim in Liederbach zur Verfügung gestellten Zimmer benötigte. Dennoch hatte der DVV in Übereinstimmung mit den Verantwortlichen des Fördervereins VIH beschlossen, das Projekt mit der ergänzenden Zielsetzung fortzuführen, die besten Spieler der beiden Kader aus Berlin und Frankfurt im Jahr vor der jeweiligen Junioren-Weltmeisterschaft zusammenzuführen. Der Zeitdruck und die Not, die Probleme zu lösen, um das VIH fortführen zu können, waren riesig. Vor allem der Generalsekretär des DVV, Lutz Endlich, und der Vorsitzende des Fördervereins des VIH, Björn Christian Stein, bereisten das gesamte Rhein-Main-Gebiet, besichtigten geeignete und ungeeignete Liegenschaften, in denen bis zu 30 Internatler hätten untergebracht werden können. Letztlich: Fehlanzeige, da angebotene Liegenschaften entweder nicht finanzierbar waren oder das Internat dort nicht organisierbar war.

Da kam ein unerwarteter Zufall zu Hilfe: der Deutsche Turnerbund (DTB) hatte für eines seiner Gebäude im Bereich des Olympia-Stutzpunktes Frankfurt in der Otto-Fleck-Schneise eine Baugenehmigung für vier Stockwerke, baute aber zunächst nur zwei. In der unglaublich kurzen Zeit von etwa acht Wochen im Herbst 1991 stand die Finanzierung für zwei weitere Stockwerke für das VIH mit 16 Zimmern: 85% der Baukosten übernahm der Bund, 10% das Land Hessen und 5% der DVV. In dem ebenfalls äußerst kurzen Zeitraum von Oktober 1991 bis zum Sommer 1992 waren die neuen Zimmer für das VIH bezugsfertig. Mit dem Umzug in das so genannte „Haus der Athleten“ in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt am Main „verabschiedete“ sich der bisherige „Hauptsponsor“, die Firma Hoechst AG, aus dem Projekt. Damit wurde es leider unumgänglich, die monatlichen Elternbeiträge kräftig anzuheben. Die Schule musste wegen des umständlichen und langen Fahrweges nach Hofheim auch gewechselt werden.

In Absprache mit der Stadt Frankfurt, dem Olympia-Stützpunkt und dem Hessischen Kultusministerium wechselten die Internatler in die Carl-von-Weinberg-Schule. Seit einigen Jahren ist diese zudem Mitglied des Klubs der „Eliteschulen des Sports“ in Deutschland. Im Übrigen sind dort von etwa 1200 Schülerinnen und Schülern zwischenzeitlich mehr als 300 Hochleistungssportlerinnen und – sportler! Die beiden DVV-Stützpunkte Berlin und Frankfurt arbeiteten von nun an unter der Verantwortung des jeweiligen Bundes-Juniorentrainers eng zusammen. Wie vorüberlegt, werden seitdem die besten Spieler eines Jahrgangs im Jahr vor einer Junioren-Weltmeisterschaft in einer Mannschaft konzentriert, die dann mit Sonderstatus in der 1. Bundesliga spielt. Aus Sicht des VIF erfolgt diese Zusammenführung bislang leider nur in Berlin. Allerdings sind dort insgesamt die schulischen und organisatorischen Voraussetzungen sowie die Trainingsbedingungen etwas besser als in Frankfurt. Im November 1998 erfolgte sodann folgerichtig die Umfirmierung in „Förderverein Volleyball-Internat Frankfurt e.V.“ mit dem Kürzel „VIF“.

Heutige Situation und Ausblick

Noch einmal zurück in die Zeit der Anfänge des Internats: Die damals Verantwortlichen der Hoechst AG, des DVV, des VIH und der Stadt Frankfurt hatten schon recht früh die klare Vorstellung, das Internat müsse für sein Training und seine Spiele vor allem in der 2. oder 1. Bundesliga bestens geeignete Hallenbedingungen haben. Das war jedoch nicht gegeben, denn es mussten neben der Liederbachhalle und der Kreissporthalle des Main-Taunuskreises auch noch andere Hallen genutzt werden, die teils für das notwendige Training z.B. von Aufgaben und der Abwehr nicht die erforderliche Höhe hatten. Auch entstand ein ziemlicher Aufwand für Fahrten. Überraschend schnell konnte ein Lösung gefunden werden: die Firma Hoechst AG stellte der Stadt Frankfurt in Frankfurt-Höchst neben dem Silobad ein geeignetes Grundstück in Erbpacht zur Verfügung und die Stadt ließ dort nach Durchführung eines Architekten-Wettbewerbs in enger Abstimmung mit den Spitzenverbänden der Hallensportarten und dem VIH die „Ballsporthalle“ bauen. Bereits am 7. Oktober 1988 konnte die neue Halle eingeweiht werden. In diesem Rahmen spielte das Volleyball-Internat gegen den damaligen Erstligisten TuS Kriftel. Klare Absprache mit der Stadt Frankfurt war, dass das VIH ein Erstbelegungsrecht für die Trainingshalle hatte und in der großen Halle Spiele in der 2. Bundesliga austragen konnte.

Leider dauerte diese Phase hervorragender Trainings- und Spielmöglichkeiten für das Internat nicht lange, denn die Stadt Frankfurt gab die Verwaltung der Halle an ein Tochterunternehmen ab. Dem Internat war es völlig unmöglich, die von diesem sodann verlangten Hallen-Nutzungsgebühren für ca. 12 -16 Stunden pro Woche zu bezahlen. Äußerst mühsam war es auch, im Bereich des Olympiastützpunktes geeignete Trainingsmöglichkeiten für das VIF zu erhalten. Eine große Erleichterung zur Durchführung regelmäßigen Konditionstrainings brachte die Errichtung eines neuen „Fitnesszentrums“ direkt im Bereich des Hauses der Athleten in 2000. Allerdings ist auch heute noch die Hallensituation trotz der Hilfe der Carl-von-Weinberg-Schule, der Stadt Frankfurt mit der Wintersporthalle und auch des Olympia-Stützpunktes alles andere als optimal. So hofft das Internat auf den baldigen Neubau der geplanten großen Halle für die Carl-von-Weinberg-Schule, die jedoch unbedingt die für internationale Volleyball-Spiele vorgeschriebene lichte Hallen-Höhe von 12,50 m haben sollte, auch wenn dies ein nicht unbedeutender Kostenfaktor ist.

Ein anderes Problem konnte im Frühjahr 2008 gelöst werden: Eltern schulpflichtiger Sportlerinnen und Sportler können dann für eine auswärtige Unterbringung Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BaföG) erhalten, wenn diese auswärtige Unterbringung zwingend nötig ist. Voraussetzung ist weiterhin, dass die betreffende Schule in einer entsprechenden Liste aufgenommen ist. Obwohl von Beginn dieser Aktion an „Eliteschule des Sports“ war die Carl von Weinberg Schule nicht in dieser in Hessen vom Wissenschaftsministerium geführten Liste vermerkt. Ende Februar diesen Jahres wurde die Schule in diese Liste nach einem von der Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt unterstützen Schreiben des Präsidenten des DVV, Werner von Moltke, von Mitte Januar aufgenommen. Die damit verbundene mögliche finanzielle Entlastung von Eltern ist ein wichtiger Schritt für die Sicherung der Zukunft des VIF aber auch für alle anderen Sportlerinnen und Sportler des Olympia-Stützpunktes, die nicht bei ihren Eltern wohnen.

In den Gesamtbedingungen hat sich noch ein weiterer Faktor gravierend gegenüber den Vorjahren geändert, der nicht ohne Auswirkung auf die „Talentschmiede“ VIF bleiben wird: Neben dem schon oben angesprochenen Junioren-Internat in Berlin wurden in den letzten Jahren zwei weitere Einrichtungen dieser Art etabliert, nämlich in Friedrichshafen durch den dortigen äußerst erfolgreichen Verein sowie in Kempfenhausen mit Unterstützung des Bayerischen Volleyball-Verbandes. Die beiden letztgenannten Internate sind mit einem Sonderspielrecht in die 2. Bundesliga Süd integriert, Berlin – wie das VIF – in die 2. Bundesliga Nord. Dies ist einerseits zu begrüßen, werden so doch letztlich mehr Talente intensiv gefördert. Andererseits bedeutet dies aber für Internatler im VIF, dass die Konkurrenz um die begehrten Plätze im Jugend- und Junioren-Nationalkader deutlich härter geworden ist. Konnten die Spieler der ersten Jahrgänge im VIH noch ziemlich sicher davon ausgehen, Mitglied der betreffenden Nationalmannschaft zu werden, so sind nun die Chancen geringer, denn nur die wirklich Besten aus etwa 40 Spielern werden sich durchsetzen. Dies muss zugleich Ansporn für die Trainer, die Spieler und alle Beteiligten am VIF sein, im VIF die Arbeit noch weiter zu intensivieren und die Rahmenbedingungen stetig zu verbessern, damit möglichst viele unserer Internatler den Sprung auf das internationale Parkett schaffen. Das setzt aber auch voraus, dass all die Förderer und Sponsoren, die das VIH/VIF über all die Jahre unterstützt haben, ihr Engagement ebenfalls fortsetzen. Dafür und auch für die bislang geleistete Unterstützung an dieser Stelle allerherzlichsten Dank!

Partner des VIF

Volleyball-Bundesliga